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  • Ulrike Bothmer

Mentale Gesundheit

Wie geht´s Dir?

Die Frage kann meistens jeder beantworten. Fast immer wird dann jedoch von körperlicher Gesundheit gesprochen. Die meisten Menschen können sehr genau benennen, wo es zwickt und zwackt und welche körperlichen Einschränkungen sie haben. Die meisten gehen damit auch zum Arzt und erhoffen sich Verbesserung oder Heilung, um wieder voll einsatzfähig zu sein. Die Leistungsfähigkeit steht immer noch an erster Stelle. Unsere Lebensqualität messen wir oft auch an dieser Leistungsfähigkeit.


Wie geht´s Deiner Seele? Auf diese Frage haben wir nicht so leicht eine Antwort. Wer möchte sich in die Seele blicken lassen? Kleine Belastungen und die Tragödien des Alltags sind noch kommunizierbar, aber wenn es jemandem wirklich schlecht geht, möchte dieser das lieber nicht erzählen. Wir setzen die Alltagsmaske auf und tun so, als ob alles in Ordnung wäre. Bloß nichts anmerken lassen. Bloß nicht zeigen, dass ich wieder die halbe Nacht geweint habe, dass ich vor Erschöpfung kaum schlafen kann, dass ich dauernd deprimiert und lustlos bin. Ich will mich nicht erklären und die „gutgemeinten“ Ratschläge der anderen anhören. Hab schon alles versucht – hilft nichts. Fahr ich erstmal in den Urlaub – hilft nicht. Lass ich mich erstmal krank schreiben – hilft nicht. Immer diese Kopfschmerzen und Verspannungen – nehm ich mehr Schmerzmittel. Kann nicht einschlafen – trink ich mal nen Wein oder ein Bier.


Depressionen, Ängste, Burnout, Alkoholabhängigkeit – das sind alles Krankheiten, die in unserer Gesellschaft oft noch tabuisiert werden. Besonders in den älteren Generationen. Die weitverbreitete Meinung ist, dass so jemand sich einfach mal zusammenreißen muss, dass so eine lebensuntauglich oder faul ist, dass so einer nicht ganz dicht ist. Und fast immer verurteilen sich die betroffenen Menschen erstmal selbst. Sie sagen oft das Gleiche von sich. Sie fragen sich: Warum krieg ich mein Leben nicht mehr auf die Reihe? Was ist mit mir los? Ich muss da irgendwie rauskommen?

Das Eingeständnis, dass jemand Hilfe von außen braucht, dass man nicht mehr allein weitergehen kann ist sehr schwer. Und es wird schwerer, wenn es im sozialen Umfeld keine Akzeptanz findet.


Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die nicht ausschließt, sondern unterstützt. Die nicht mit dem Finger auf andere zeigt, sondern umarmt. Eine Gesellschaft, wo nicht der Leistungsfaktor den Wert eines Menschen ausmacht, sondern sein einfaches So-sein. Eine Gesellschaft, die seelische Dysbalancen als Ausdruck des Lebens sieht und nicht als versagen.

Das möchte ich unterstützen mit meiner Arbeit als MHFA Ersthelfer für psychische Gesundheit. Psychische Krankheiten sind kein Makel oder ein Zeichen von Unfähigkeit. Sie sind ein Teil unseres Lebens und dürfen nicht länger ein Schattendasein führen.



Lass Deiner Seele Raum zum Leben

das ganze Leben, das Schwierige und das Schöne.



https://www.mhfa-ersthelfer.de/de/

https://www.gesundheitskoenner.de/

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