Begleitung in Zeiten des Wandels
Aktualisiert: 4. Okt.

Jeder hat schon solche Zeiten erlebt: Das Leben geht seinen Gang - der Job ist o.k., die Kinder sind auf dem Weg, die Partnerschaft ist lebendig, das soziale Leben wird irgendwie aufrecht erhalten. Alles ist eigentlich in Ordnung und wir haben das Gefühl unser Leben zu gestalten und trotz Verpflichtungen und Herausforderungen alles im Griff zu haben.
Wenn das Unvorhersehbare kommt
Ohne Vorwarnung, wie aus dem Nichts biegt das Leben plötzlich ab und wir müssen mit, ob wir wollen oder nicht. Es tritt etwas in unser Leben, dass außerhalb unserer Kontrolle liegt, dass wir nur bedingt beeinflussen können und das uns nachhaltig fordert.
Es bringt uns an unsere Grenze und fordert von uns einen ganz anderen Blick auf das Leben.
Es sind Ereignisse, die wir so nicht wollten und die wir so auch noch nie erlebt haben. Da sind dann ganz andere Vorgehensweisen, ganz anderes Denken erforderlich. Und manchmal verlieren wir auch komplett den Überblick und sind überfordert, sehen nicht mehr, wie es weitergehen kann, haben keine Idee mehr, was jetzt sinnvolle Entscheidungen sein könnten.
Geh nicht allein
In den meisten Fällen kommt uns gar nicht in den Sinn HIlfe von außen zu holen. Wir wollen stark sein, es alleine schaffen, bloß keine Schwäche zeigen. Oder einfach nicht auf die Idee kommen, dass in solchen Lebensphasen auch eine Begleitung mutmachend und stärkend sein kann. Jemand von außen, der einen unverstellten Blick hat. Jemand der die richtigen Fragen stellt und die eigenen Entscheidungen dadurch leichter und klarer macht. Jemand, der mit uns einen Schritt zurück tritt, um mit etwas Abstand auf das ganze Dilemma zu schauen. Und dann sind wir oft selbst in der Lage, zu erkennen, was jetzt gut und stimmig ist. Es geht hier nicht um psychologische Hilfe. Denn oft verursachen solche Lebensereignisse ja keine psychische Krankheit. Sie sind einfach nur extrem herausfordernd. Da fühlen wir uns unter Umständen einfach hilflos, ohnmächtig, überfordert. Mit einem Menschen an der Seite, der begleitet, nicht bevormundet, der unterstützt und Mut macht kann diese Herausforderung zu einem neuen selbstbestimmten Leben führen.
Mein Weg
Ich habe selbst erlebt, wie wohltuend und stärkend es ist, wenn es einen Menschen gibt, der zuhört, versteht und tröstet. Denn, es sind nicht die guten Ratschläge und Anweisungen, die in eine neues Leben führen. Es ist das Wahrnehmen, wie es mir geht, wie ich mich fühle, was ich mir wünsche. Und im nächsten Schritt zu fragen: Was möchte ich jetzt als erstes entscheiden und wie. Wovor habe ich Angst und wie kann ich dieser Angst begegnen. Wie gehe ich weiter mit dieser Angst. Und immer wieder ist da jemand, der Mut macht, zu den eigenen Gefühlen zu stehen, auch, wenn das Umfeld sich von einem etwas anderes wünscht oder erwartet.
Das allerwichtigste ist zuwissen, dass andere Menschen, also die Menschen in meinem privaten Umfeld immer von den eigenen Befindlichkeiten ausgehen. Ein anderer Mensch hat grundsätzlich einen ganz anderen inneren Standort, von dem aus er das Leben betrachtet. Er hat andere Werte, die ihm wichtig sind. Und das korrespondiert nicht unbedingt mit mir. Deshalb gibt es auch so viele Vorschläge von anderen, was jetzt zu tun ist. Aber: Mein Standort ist der entscheidende - Meine Werte sind maßgebend. Und dieser Standort und diese Werte sind ausschlaggebend dafür, wie ich mich entscheide, damit es meine Entscheidung ist. Hier geht es nicht um richtig oder falsch, sondern darum, was ich persönlich leben kann.
Wenn ich die Scheidung will, dann ist das jetzt richtig. Wenn ich den Job behalten will, trotz des übergriffigen Chefs und den ständigen Überstunden, dann ist das jetzt für mich richtig. Wenn ich jeden Tag zu Friedhof gehe, um mein verstorbenes Kind zu besuchen und dadurch mein Schmerz immer wieder aufflammt, dann ist das jetzt mich das richtige.
Konsequenzen können übel mitspielen
Davon völlig unabhängig sind die Konsequenzen, die eine Entscheidung hat. Manchmal schaut man auf sein Leben und denkt: Hätte ich da doch besser auf xy gehört und nicht diese Entscheidung getroffen, die mir jetzt Probleme macht.
Klar, wenn irgendwann nach einer tiefgreifenden Entscheidung Probleme auftreten, kann es leicht passieren, dass wir unsree damalige Entscheidung für falsch halten. Den Fehler, den man bei dieser Denkweise macht ist, dass wir das Ganz jetzt mit einem Wissen beurteilen, dass wir zum Zeitpunkt der Entscheidung gar nicht hatten und auch nicht haben konnten.
Sicherlich kann man teilweise die Konsequenzen einer Entscheidung voraussehen. Doch nicht in seiner Gänze. Denn wir gehen bei diesem Beurteilen der Folgen einer Entscheidung immer mit dem Verstand vor. Außen vor bleibt, was wir fühlen werden. Und diese Gefühle sind entscheidend für eine Beurteilung. Doch im voraus fühlen ist eher schwierig. Teilweise kann man sich sicherlich in eine Lage hinein versetzen. Doch manchmal wird man schon sehr überrascht, was bestimmte Erlebnisse mit einem machen.
Steh zu deiner Entscheidung
Bleib dir treu. Zum Zeitpunkt der Krise wird eine Entscheidung getroffen, die in diesem Moment gut ist, sich richtig anfühlt und mit den vorhandenen Gegebenheiten übereinstimmt.
Wenn später Zweifel oder Probleme auftreten ist das nicht die eigene "Schuld" aufgrund der damaligen Entscheidung. Es ist der Lebensweg. Jetzt geht es hier lang. Eine andere Entscheidung wäre ein anderer Weg gewesen. Aber woher wissen wir, dass es nicht auch dort Probleme gegeben hätte. Dann eben andere.
Die eigene, selbstbestimmte Entscheidung zu treffen erfordert auch, die Verantwortung für die Konsequenzen zu übernehmen. Aber nur dann führen wir ein freies Leben. Die Freiheit ist nicht eine Leben ohne Sorgen. Die Freiheit ist, dass ich meine Entscheidung treffe und dafür einstehe, egal, was kommt.
Und diese Entscheidung zu treffen erfordert manchmal Mut. Und dafür ist eine unabhängige Begleiterin wertvoll.



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