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  • Ulrike Bothmer

Berührung als Schlüssel zur Seele


Wann sind Sie das letzte Mal so richtig liebevoll berührt worden – in den Arm genommen und richtig gedrückt – vielleicht auch länger gehalten? Spüren Sie Ihren Körper in seiner Ganzheit? Nehmen Sie wahr, wie sich Ihr kleiner Zeh anfühlt, oder Ihre Handfläche? Wenn es nicht irgendwo schmerzt, nehmen viele Menschen Ihren Körper gar nicht bewusst wahr. Hauptsache er funktioniert. Wann haben Sie sich eigentlich das letzte Mal so richtig liebevoll um Ihren Körper gekümmert?

Selbst bei mir kommt das oft zu kurz. Dabei ist unser Körper doch so wichtig, er ist so wertvoll und einzigartig und hat es einfach verdient, dass wir uns um ihn kümmern.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das berührt werden. Berührt werden von anderen Menschen. Das geht los mit dem einfachen Händeschütteln – Berührung – Nähe – Verbindung aufbauen. Mit dem Händeschütteln nehmen wir Kontakt zu einem anderen Menschen auf, lassen uns auf ihn ein, nehmen ihn nicht nur visuell, sondern auch im Hautkontakt wahr. Händeschütteln zeigt dem anderen, dass er willkommen ist – im besten Fall. Oft ist es vielleicht auch nur eine gesellschaftliche Geste, doch Berührung bleibt Berührung und verändert den Beziehungsraum. Viel stärker als nur ein einfaches „Hallo“ mit erhobener Hand auf Abstand. Ja – beim Händeschütteln bleibt der Mensch nicht auf Abstand. Es entsteht ein Moment der Zweisamkeit, ob man will oder nicht.

Viel stärker noch ist das Umarmen. Auch wenn es teilweise zu einer belanglosen Geste verkommen ist – eine Umarmung stellt mehr Nähe und Vertrautheit her. Es bedeutet mehr Einlassung auf den anderen. Wenn man das Gegenüber mag, ist die Umarmung wohltuend, stärkend und verbindend. Sie kann innerlich Freude und Liebe entstehen lassen und sie kann sehr, sehr tröstend sein.

Berührung ist etwas, dass uns am Leben erhält. Schon als Neugeborenes kann eine innige körperliche Beziehung heilend und stärkend wirken. Sie gibt Geborgenheit und Lebensmut. Besonders Babys und Kleinkinder sind auf körperliche Berührung angewiesen, um sich gesund zu entwickeln.

Doch je älter der Mensch wird, desto weniger wird er berührt. Der Körper bleibt oft nur ein Instrument zur Bewältigung des Lebens, der ausschließlich funktionieren soll. Verliebte sind sich da meistens noch sehr nah und pflegen einen intensiven Körperkontakt – ein Ausdruck von Verbundenheit, Liebe und Vertrautheit. Aber auch das lässt nach. Im Alter gibt es kaum noch körperliche Nähe zu einem anderen Menschen, besonders, wenn der Ehepartner verstorben ist. Dabei ist gerade im Alter Berührung sehr wichtig. Wenn die Kräfte nachlassen, das Vertrauen ins Leben abnimmt und Kontakte oft sehr reduziert sind, kann Berührung Hoffnung und Trost geben und die Seele stärken. Eine Klientin, die bereits verstorben ist, sagte mir einmal bei einer Rückenmassage, die sie wöchentlich erhalten hat, das sei ihr Alterssex. Das hört sich jetzt witzig an, aber es zeigt, wie bedürftig jeder Mensch in jedem Alter ist und wie sehr sich Menschen nach Berührung sehnen können.

Berührung tut der Seele gut. Sie stärkt, gibt Kraft und Trost und entspannt. Und dadurch können auch körperliche Beschwerden anders wahrgenommen und vielleicht besser akzeptiert werden, oder sie werden weniger oder verschwinden ganz. Auf jeden Fall sind zum Berühren immer zwei Menschen notwendig und es funktioniert garantiert nicht übers Internet im Online-Kurs. Die Energie, die zwischen zwei Menschen fließt, wenn sie gemeinsam in einem Raum sind und sich berühren ist durch nichts zu ersetzen. Es ist und bleibt eine Kommunikation, die nur in beiderseitiger Anwesenheit möglich ist.

Tun Sie Ihrer Seele etwas Gutes und lassen Sie sich mal wieder berühren. Spüren Sie Ihren Körper als wertvolles Geschenk. Erleben Sie, wie Berührung Ihr Herz öffnet und Ihren Geist entspannt.

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